Kein Schutz von Risikogruppen : Eine atemwegserkrankte Frau berichtet über ihr Corona-Leben

Zum Schutz von uns Schutzbedürftigen wurde der Lockdown veranlasst – heißt es.

Alles stand still, zumindest fast alles. Plötzlich durften keine alten Menschen mehr in Seniorenheimen besucht werden und so manch Dementer dort verstand gar nicht, was los ist; warum er/sie nun allein gelassen wird. Wer mal ein paar Tage mit Dementen zu tun hatte, der weiß, das sie in einer ganz anderen (früheren) Zeit leben. In einer Zeit, wo vielleicht ihre Welt noch in Ordnung war.

Was hat man aber wirklich „für“ uns Schutzbedürftigen getan ?

Ich erzähle einfach mal von mir:

Ich bin „Risikofall“ und seit Geburt mehrfach behindert. Das erste, was mir nach Ausrufung des lockdown passierte, war, daß mir Ergotherapie, Krankengymnastik und ambulante Pflege verweigert wurden. Alle wochenlang vorher geplanten Termine mit einem Schlag weg.

Und wie ich überhaupt an Lebensmittel oder heiß begehrtes Toilettenpapier komme ? Das hat auch niemanden weiter interessiert. Weder meine Nachbarin noch die Bürgermeisterin hier auf dem Land. Letztere postete aber immer fleißig auf Facebook, dass Senioren sich ja melden können, wenn sie Hilfe brauchen. Gut gemeint, aber : Welcher Senior ist bei Facebook!?

Das Wort „Behinderte“ versteht Frau Bürgermeisterin nicht wirklich :

Es wurden auf einem öffentlichen Platz Sonntags lecker Imbisswagen hingestellt mit der Bitte, sich ordentlich anzustellen (Abstand und so). Klasse, welcher Behinderte und/oder Senior hätte die Kraft gehabt, sich so lange die Beine im Bauch zu stehen?

Egal, wir werden „geschützt“, da darf ich nicht noch mehr erwarten !

Nur dank Glück nicht verhungert

Tatsache ist: Hätte ich nicht rein zufälligerweise 1 Jahr zuvor ambulant betreutes Wohnen beantragt und bewilligt bekommen, wäre ich in meinen „Schutzwänden“ verreckt. Diese eine Hilfe, zwei Mal die Woche für mich für wenige Stunden, war der einzige Mensch, der mir beigestanden hat, der versuchte, mir einiges an meinen bescheidenen Wünschen zu erfüllen.

Da ich eine Lungenerkrankung habe, bekomme ich mit Maske Atembeschwerden. Darum habe ich ein ärztliches Attest zur Mundschutz-Befreiung, Mein ärztliches Attest wird aber unter anderem auch im Supermarkt einfach nicht akzeptiert! Keine Freude über ein getätigtes Schnäppchen oder was weiß ich!…

Was mir sonst noch fehlt ?

Wenn ich 10 Schritte schaffe, bin ich schon ziemlich glücklich. Nachts, wenn ich im Bett liege, plagen mich nur noch Schmerzen, weil ich quasi auf den nackten Knochen (ohne Schutz durch Muskeln) liege. Ich warte , bis der der Schmerz geistig verschwindet, um einzuschlafen und am nächsten Tag wieder aufzustehen.

Während der Wirtschaft mit vielen Millionen geholfen wurde, ist der Schutzbedürftige der kleine Depperl. Keine „extra“ Hilfe oder Unterstützung,.

Kein Zutritt trotz ärztliches Attest zur Maskenbefreiung

Statt Hilfe bekam ich Häme, als ich im Sanitätshaus ein ärztliches verordnetes Rezept einlösen wollte, und das Maskenbefreiungsattest vorlegte. Mein ärztliches Attest sei nur gekauft, oder was ? Ich durfte nicht rein, die Einlösung des Rezepts wurde abgelehnt…

Warum hat sich nicht – beispielsweise – das Versorgungsamt mit Beginn des Lockdown gemeldet? Das sind doch die Ersten, die wissen, wo Menschen mit Hilfebedarf wären!!! .

Ich möchte nicht wissen, wie viele alte einsame Menschen an gebrochenem Herzen gestorben sind, Und ich? Ich frage mich ernsthaft, wovor ich noch Angst haben soll. Aufstehen und abends schmerzend ins Bett legen. Ich kann noch nachts meine Katzen umarmen, wenigstens etwas.

Ansonsten bin ich zur Untätigkeit verdammt, weil ich durch den lockdown körperlich noch weniger Bewegungsmöglichkeiten habe.

Wenn ich gut drauf bin, versuche ich, mir ein bisserl eine eigene Welt zu erhäkeln, denn ich konnte zum Glück einige Knäuel Baumwolle günstig ergattern und habe nun eine Tasche an meinem „Duschstuhl“. Ich habe eine Katze gehäkelt, einen Schal, eine Mütze passend zum Schal und versuche gerade auswendig mir eine „Strick“jacke zu machen. Das ist meine Restwelt, zusammen mit meiner herzlichen ambulanten Hilfe, die trotz ihrer 3 Kinder zu mir gestanden ist….

Gastautorin: A.R.