Schutz der Alten in Regensburger Heimen ? „Schlimmer als im Krieg!“

„Das ist schlimmer als im Krieg !“ sagt die steinalte Frau im Altenheim. Und: „Ich kenne mich nicht mehr aus“, klagt die Bekannte, der ich vor einem Seniorenheim begegnete. „Seit Monaten dürfen wir nur auf dem Zimmer essen, statt gemeinsam. Wenigstens können wir wieder vor das Haus, weil das Wetter grade schön ist. Mit Maske und Abstand an die frische Luft. Ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch noch wegfällt. Langsam mag ich nicht mehr. Wie sollen wir das im Winter überstehen? Es ist schlimmer als im Krieg.“

Die Bekannte erzählt von Mitbewohnern: „Manch einer bekommt nicht mehr viel mit, weil er sowieso bettlägerig ist. Aber dass die Verwandten ihnen nicht die Hand geben oder halten dürfen, das merken sie immer noch. „

Manche lassen alles resignierend und willig über sich ergehen. Sie haben ja eh keine anderen Möglichkeiten und keine Kraft mehr für einen Widerstand .

Die Alten: Entmündigt wie Kinder

Denn : Gefragt werden sie nicht .

Ein eigenes Zuhause haben sie nicht mehr, in dem sie selbst das Sagen hätten. Das tut noch mehr weh als vor Corona.

Ich habe mich in Altenheimen in Stadt und Landkreis Regensburg umgehört:

In jedem Altenheim sind die Regelungen anders, aber allen Regeln ist gemeinsam: Die Alten werden eher mehr als weniger zu Tode geschützt.

Hauptsache, niemand stirbt mehr an Covid 19 ! Aber stattdessen an...

Hauptsache niemand stirbt mehr an Covid 19, nachdem ja während des 1. lockdowns die Mehrheit der in Deutschland an Covid 19 Gestorbenen Bewohner von Altenheimen waren.

Richtiger müsste es heissen: Hauptsache niemand stirbt mehr an Covid 19, sondern an anderen Leiden! Denn der nach wie vor eingeschränkte Kontakt raubt die letzte Lebensfreude, und Einsamkeit bringt auf längere Sicht auch um.

Die Zielgruppe, die durch Kontaktbeschränkungen beschützt werden soll, ist offensichtlich nicht durchgehend dankbar. Wie sollte sie auch.

Die Lebensfreude und der Lebenswillen schwinden allmählich. Manch einer versteht die Welt nicht mehr. Die letzten Kontakte werden beschränkt. Nähe zwischen Bewohnern? Fehlanzeige. Nähe zu Besuchern? Dito! Bleibt nur das Personal: Das ist vermutlich dauergestresst, weil die Angst vor Fehlern und vor möglicher Ansteckung tägliche Begleiter sind.

Der seit x-Jahren nicht-beseitigte Pflegekraft-Mangel zeigt nun noch mal schlimmere Folgen für Personal und Altenheimbewohner.

Noch schlimmer aber wird es, wenn ein Heimbewohner wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gebracht werden muss, wie mir eine Bekannte erzählte: Dann ist es ganz aus mit dem Kontakt – und der Lebensfreude.

Mir fällt da der Liedermacher Reinhard Söllner ein: Der hat während des 1. lockdowns aufgerufen, gleichwohl die Angehörigen im Altenheim oder im Krankenhaus zu besuchen. Das hat ihn ein Bußgeld gekostet. Und bei mir viel Respekt gebracht.

Aufgepasst , liebe Leser und Leserinnen !

Die Alten in den Heimen von morgen , das sind: WIR !

Autor: Otmar Spirk