Angst und Wut im Kontext Corona (9): Wie Ich und Du zur Feindschaft gebracht werden

1. Der Artikel der Schweizer Psychologin Jeanette Fischer „Der Einschüchterungsversuch“ beginnt mit einer altbekannten Geschichte:

Ein buddhistischer Mönch meditiert … Da kommt die Pest vorbei, und er fragt sie: „Wohin des Wegs?“ Die Pest antwortet: „Ich gehe in die Stadt, um tausend Menschen zu töten.“ Nach einiger Zeit trifft sie auf dem Rückweg wieder den Mönch unter dem Baum. Er fragt die Pest: „Du hast gesagt, du würdest tausend töten — man berichtete mir aber, dass zehntausend Menschen gestorben sind.“ Die Pest entgegnet dem Mönch: „Ich habe tausend getötet. Die anderen tötete die Angst.

Die Autorin analysiert, dass die Sicht auf den Coronavirus als „Feind“ unweigerlich in eine Opferposition führt. Und von dort zum Krieg gegen den „Täter Virus“, dessen Komplizen als potentielle Virenträger dann alle anderen Menschen sind .

Sie schreibt über die Folgen der Trennung unter den Menschen und der nun fehlenden Auseinandersetzung von Ich und Du:

„Getrennt vom Gegenüber, nimmt sich die Angst ihren Raum. Wenn der Raum der Auseinandersetzung, der Raum der Anerkennung der Differenz, nicht mehr eröffnet werden kann, besetzt die Angst diesen Raum mit all ihren Sorgen und Befürchtungen, mit destruktiver Aggression und mit der Festlegung von Schuldigen.“

2.Die psychologischen Wirkungen der Panikmacherei: Die Borderline-Gesellschaft

Lesenswert finde ich auch die Untersuchung der Psychoanalytikerin Jane-Anna Spiekermann mit dem Titel „Corona und Psychologie: Angst arbeitet dem demokratischen Miteinander entgegen„.

Sie schildert und analysiert die Schock-Therapie, mit der die Regierung, unterstützt von den Massenmedien, die Menschen gefügig gemacht hat. Und wie Stück für Stück das Angstniveau in der Gesellschaft erhöht wurde. Spiekermanns Fazit:

„Die an verschiedenen Stellen zu verzeichnenden gesellschaftlichen Spaltungstendenzen deuten darauf hin, dass das Angstniveau ein solches Ausmaß erreicht hat, dass reifere Abwehrmechanismen nicht mehr greifen und wir als Gesellschaft möglicherweise teilweise auf ein Borderline-Niveau gefallen sind.“

An die Stelle der Kommunikation unter Erwachsenen über ihre Bedürfnisse tritt der von Angst bestimmte Kampf zwischen „gut und böse“.

3.Ausrottungsfantasien: Von der Nazi-Zeit bis zum heutigen Medizin-Fundamentalismus

Lesenswert auch der Artikel „Der Versuch , den Tod zu töten“ : Der Autor untersucht, inwieweit die Ausrottungsfantasien der nationalsozialistischen Lehre gegenüber allem „unreinen“ mit den Ausrottungsfantasien zum Beispiel gegenüber dem Coronavirus übereinstimmen.

Er beschäftigt sich mit dem medizinischen Fundamentalismus, dessen Ziel nicht die Heilung erkrankter Menschen, sondern die Vernichtung von Viren, Bakterien usw. ist.

29.1.21

Autor: Otmar Spirk