Die Söder/Merkel-Linken: Faschistoides Denken und Handeln ?

Ein Gastbeitrag von Anna Jope

„Mir wäre lieber, ich würde an der Seite der linken Szene für Grundrechte eintreten, aber die lässt einen hier total im Stich“, wurde Jörg Brunschweiger kürzlich in der MZ (29.01.2021) zitiert.

Er sieht sich „von den Linken zu Unrecht in die Ecke von Coronaleugnern, Esoterikern und Antisemiten gestellt.“

Nicht nur Brunschweiger wundert sich, denn, von wenigen Ausnahmen abgesehen, verweigern gerade linke und linksliberale Kreise seit Beginn der Krise eine rationale und kritische Betrachtung der Corona-Maßnahmen; stattdessen kommen sie mit immer abstruseren Forderungen um die Ecke (zuletzt Zero-Covid). Die Erklärung ist erschütternd einfach:

It’s fascism, stupid!

Gar ein wenig dick aufgetragen? Mitnichten, leider.

Wem bei dem Begriff „Faschismus“ lediglich Glatzköpfe in Springerstiefeln oder von Fliegenschiss brabbelnde alte Herren in den Sinn kommen, kennt nur einen Teil dessen, was Faschismus tatsächlich ausmacht.

Versuchen wir es zunächst mit Umberto Eco. Der hat sich viele kluge Gedanken über den Faschismusgemacht und schließlich vierzehn Merkmale extrahiert [1]. Allerdings beziehen sich diese auf den „Ur-Faschismus“ und sind für moderne Erscheinungsformen nur bedingt brauchbar.

Eco erkannte allerdings auch, dass Faschismus in vielen Spielarten auftritt: “But the fascist game can be played in many forms, and the name of the game doesnot change […] Fascism became an all-purpose term because one can eliminate froma fascist regime one or more features, and it will still be recognizable as fascist.” [1]

Diese Wandlungsfähigkeit des Faschismus macht es manchmal schwierig, ihn zu fassen, zumal er sich auf vielerlei Weise stetig weiterentwickelt und keineswegs nur für die extreme Rechte kennzeichnend ist. Es ist anzunehmen, dass im Zuge des erstarkenden Neoliberalismus viele gesellschaftliche Gruppen schon seit langem unterwandert und indoktriniert werden [siehe 2, Kap. 6], was die geradezu epidemische Ausbreitung faschistoiden Denkens und Handelns auch in solchen Kreisen erklärt, die gemeinhin als links oder linksliberal gelten.

So erschließt sich, warum viele, die früher vielleicht in der Friedens- und Umweltpolitik engagiert waren, sich in heutigen linken Gruppierungen nicht mehr wieder finden .

Ein Ansatz, der uns in dieser Sache möglicherweise weiter bringt, sind die Erkenntnisse der amerikanischen Feministin Naomi Wolf*), die sie in ihrem Buch „Wie zerstört man eine Demokratie –Das 10-Punkte-Programm“ darlegt: „Faschismus hat nicht immer ein spektakuläres, offen grausames Gesicht. Manchmal ist er zunächst nur daran zu erkennen, dass wir beginnen, unsere Worte abzuwägen.“[2, Vorbemerkung dt. Ausgabe] 2007 wurde eine (mit dem Buch nicht identische) Kurzfassung unter dem Titel „Fascist America, in 10 easy steps“ als Essay im „The Guardian“ veröffentlicht, der heute noch online abrufbar ist [3].

Naomi Wolfs Zehn-Punkte-Programm umfasst unter anderem:

Aufbau eines Überwachungsapparats – Infiltration von Bürgerbewegungen – Gezielte Angriffe auf Schlüsselpersonen – Kontrolle der Medien – Widerspruch gilt als (Landes-)Verrat – Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit. [2, 3]

Kommt uns das bekannt vor?

Naomi Wolf begreift Faschismus nicht als eigenständige Ideologie, sondern vielmehr als Methode zur Errichtung totalitärer Herrschaft, die sich dabei bestimmter Mechanismen bedient.

Ihr Buch entstand unter dem Eindruck der Politik der Bush-Regierung in Folge der Anschläge auf das World Trade Center ,und sie untermauert ihre Erkenntnisse mit unzähligen Beispielen aus diktatorischen und totalitären Systemen der neueren Geschichte. Später musste sie bedauernd feststellen, dass sich auch unter Obama in dieser Hinsicht nicht viel geändert hat, sondern die Faschisierung der USA kontinuierlich fortschreitet. Diese zunächst schleichende Entwicklung ist nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland seit vielen Jahren zu beobachten, und sie nimmt im Zuge des derzeitigen Pandemiegeschehens richtig Fahrt auf.

Dass die Verleumdung und Denunziation von Menschen und Gruppen ein wichtiger Bestandteil totalitärer Systeme ist, wurde in zahlreichen Studien klar nachgewiesen (am bekanntesten ist wohl das Stanford-Prison-Experiment).

Erkennen wir die beliebigen Diffamierungen von Menschen als Antisemiten, Ultrarechte, Verschwörungstheoretiker oder sonstiges also als das, was sie tatsächlich sind: Kennzeichen dafür, wie sehr die Faschisierung unserer Gesellschaft vorangetrieben wird.

Wundern wir uns also nicht, wenn Herr Spirk aufgrund seiner Teilnahme an einer Demo als Antisemit bezeichnet wird, oder wenn der AStA meint, Professoren bei der Uni-Leitung anschwärzen zu müssen, oder wenn Herr Brunschweiger mit seinem Anliegen für die Aufrechterhaltung der Grundrechte von linker Seite keine Unterstützung findet. Dies alles geschieht weder irrtümlich, noch ungewollt.

It’s not a bug, it’s a feature

*)Naomi Wolf ist die Tochter jüdischer Holocaust-Überlebender. Sie ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und veröffentlichte als Journalistin und Schriftstellerin zahlreiche Artikel und Bücher zu feministischen und anderen aktuellen politischen Themen. Sie war Beraterin in den Wahlkampfteams von Bill Clinton und Al Gore. Heute arbeitet sie in der George-Soros-Foundation für Friedensforschung.

Quellen:[1]„Ur-Fascism“ von Umberto Eco, Essay, veröffentlicht 22. Juni 1995 in der New York Review.[2]„The End of America – Letter of Warning to a Young Patriot“ von Naomi Wolf, Chelsea Green Publishing, 2007 (deutscher Titel: „Wie zerstört man eine Demokratie – Das 10-Punkte-Programm“, Goldmann Verlag, 2010)[3] „Fascist America, in 10 easy steps“ von Naomi Wolf, Essay, veröffentlicht 24. April 2007 in The Guardian, abrufbar unter https://www.theguardian.com/world/2007/apr/24/usa.comment (Übersetzung einiger Schlüsselbegriffe ins Deutsche durch die Autorin A. J.)

Anmerkung Otmar Spirk:

Gastbeiträge geben grundsätzlich nur die Meinung des Gastautors/autorin wieder.

Überschrift und Kursiv-Stellung sind von mir.

Für mich als „Alt-68iger“ ist es absolut befremdend, dass viele sich „links/linksliberal“ nennende Menschen/Gruppen heutzutage Andersdenkenden gegenüber dermaßen menschenverachtend und unsolidarisch auftreten, wie ich es z.B. im Bericht „Die Regensburger Pöbel- „Initiative gegen rechts“: Grün-Linke Menschenverachtung“ schildere. So kannte ich das bisher nur von sogenannten Rechten…

Schwere Krisen bringen die offenbar gar nicht seltenen apokalyptischen Überlebens-Ängste , z.B. der LINKE-Vorsitzenden Kipping, ans Licht . Hier braucht es Licht in die Dunkelheit, was Mensch-sein auch in Krisen heißt, und einen demokratischen Diskurs anstatt cancel culture .