Wolbergs will Schlafsärge für Obdachlose. Armes Regensburg!

Der Fraktionsvorsitzender der „Brücke“ Joachim Wolbergs hat bei der Stadtspitze den Antrag gestellt, sog. Ulmer Nester (hier FOTO) für Obdachlose im Freien aufzustellen. Das sind Schlafsärge, die man von innen abschließen kann. Solche öffentlich aufgestellten Schlafsärge gibt’s in Ulm, daher der Name.

Mit der Aufstellung der Schlafsärge soll – so Wolbergs – „niederschwellige Hilfe für Menschen, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur andere Menschen meiden und auch im Winter die Übernachtung im Freien einer Übernachtung mit mehreren Menschen oder Menschenansammlungen vorziehen“ angeboten werden. Zudem seien die Schlafsärge mit geschätzten Kosten von 5700 EUR pro Jahr billig.

Grusel, graus !

Warum wollen denn Obdachlose nicht zusammen mit ihresgleichen nächtigen ???

Zum Beispiel, weil viele Obdachlose psychisch krank sind und das bedrohlich für die anderen ist. Oder weil sie fürchten, sich mit infektiösen Krankheiten der anderen anzustecken. Oder weil sie selber psychisch krank sind, und daher die Nähe anderer nicht ertragen. Oder weil sie das Schnarchen der anderen nicht ertragen. Oder weil es Kriminelle unter den Obdachlosen gibt, die sie bedrohen (könnten). Oder weil im städtischen Obdachlosenasyl UFO der Corona-Mindestabstand zwischen den „Gästen“ in den Schlafräumen nicht gewahrt werden kann…

Was also brauchen unfreiwillig Obdachlose ?

Sie brauchen eigene vier Wände, in denen sie sich sicher fühlen können.

Und seien es auch nur so dürftige kleine Notunterkünfte wie die in der städtischen Notwohnanlage in der Aussiger Strasse, mit Klo, Kaltwasser und Heizradiator , und Gemeinschaftsdusche im Keller.

Und das weiß der Herr Wolbergs auch, er war nämlich vorm OB mal Sozial-Bürgermeister.

Unfreiwillig Obdachlose haben ein Grundrecht auf eine ganztägige Unterbringung

Das ergibt sich aus der Rechtsprechung der Oberverwaltungsgerichte , die das mit Artikel 6 Bayerisches LStVG in Verbindung mit Artikel 1 Grundgesetz, Menschenwürde, und Artikel 2, Recht auf körperliche Unversehrtheit begründen.

Die Obergerichte urteilen immer wieder: Wer unfreiwillig obdachlos ist und sich nicht selber eine Wohnung besorgen kann, der ist – solange er trotz eigener Bemühungen nichts finden kann – wegen Gefahr für Leib und Leben sofort und ganztägig in einer solchen Notunterkunft unterzubringen!

Das ist die Standardrechtsprechung, die bisher in zahlreichen Fällen von der Regensburger Stadtverwaltung missachtet wurde. Ich verlinke hier beispielhaft einen Beschluß des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zum Recht auf ganztägige Unterbringung.

Statt Almosen für Obdachlose: Ganztägige Unterbringung in „eigenen“ vier Wänden

Hallo werte (Ex-) SozialbürgermeisterInnen Wolbergs, Maltz-Schwarzfischer und Freudenstein: Wann setzen Sie sich für das ein, was Grundrecht ist ? Anstatt Almosen an Obdachlose zu verteilen und zu verbreiten , das sei auch noch etwas Rühmenswertes ? Ja, jede Verbesserung wie etwa das UFO im Vergleich zum noch schlimmeren Asyl in der Taunusstrasse ist löblich. Aber es ist keine Antwort auf das Grundbedürfnis unfreiwillig Obdachloser .

Obdachlosen Almosen geben finde ich gut durch einzelne Menschen und private Vereine . Von der „Politik“ erwarte ich die Einhaltung der G r u n d r e c h t e , die a l l e Menschen haben.

Warum loben Regensburger Medien wie hier soeben die Mittelbayerische Zeitung dieses Almosen-anstatt-Grundrechte-Spiel, das rein gar nichts an der Grund-Situation ändert ? Die Wohltätigkeits-Heuchelei must go on, auch wenn alles immer schlimmer wird ?

9.3.21

Autor: Otmar Spirk