Leserbrief: Ordnungsamt schikaniert Jugendliche

Eine Regensburger Jugendliche schrieb mir folgendes:

“ Ich bin mit einer Freundin unterwegs. Komplett regelkonform.

Sie wohnt weiter weg und ist mit dem Zug nach Regensburg gefahren, um sich mit mir dort zu treffen und zu reden. Wir gehen in den Edeka und kaufen uns einen Wein. Dann suchen wir uns eine Bank in der Nähe und ratschen. Wir haben uns lang nicht mehr gesehen weil wir schon lange Distanzunterricht haben und uns nicht in der Schule treffen können.

Dann fährt das Ordnungsamt vor und steigt aus. Es ist schon dunkel und sie leuchten uns mit Taschenlampen ins Gesicht. Keine Begrüßung sondern nur ein: “Ausweise bitte!“. Da fühlt man sich gleich wie ein Krimineller. Anschließend wird alles genau abgeleuchtet und wir müssen erklären, warum wir uns aufgrund unserer Wohnsitze genau hier treffen. Ich erkläre die Situation wie oben. Dann bekommen wir eine kurze Standpauke, dass Alkohol auf Grünflächen in der Nähe von Spielplätzen nicht erlaubt ist. Ich entschuldige mich höflich, dass wir keinerlei böse Absichten hatten, obwohl ich innerlich langsam die Geduld verliere. Denn selbst wenn man nichts falsch macht, finden die Kontrolleure immer einen Weg einem Angst zu machen, ihre Machtposition auszunutzen und zu präsentieren. Sie erklären uns, dass sie dieses eine mal „zwar ihr Auge zudrücken“, aber dass sie unsere Personalien aufgeschrieben haben und wir nun diesen Platz verlassen sollen. Perplex folgen wir ihren Anweisungen und machen uns mit schlechter Laune auf die Suche nach einem neuen Ort, von dem wir höchstwahrscheinlich gleich wieder weggeschickt werden, weil man bei dieser un-übersichtlichen Regelvielfalt immer irgendetwas falsch macht und gegen Regeln verstößt.“

Anmerkung:

Die „Corona-Zeit“ macht sichtbar, was in uns Menschen in der Tiefe wirklich drin steckt. Nicht nur manche „Ordnungshüter“ genießen es offenbar, plötzlich ungeahnte Macht über junge Menschen zu haben.

18.3.21

Autor: Otmar Spirk