Leserbrief zur Jagd auf Jugendliche: „Ich bin 17 und habe Angst vor der Polizei…“

“ Ich bin 17 und habe Angst vor der Polizei und dem Ordnungsamt .

In den letzten Wochen bin ich immer wieder mal in den Regensburger Donaupark zum Skateplatz hin gefahren, um dort zu skaten und einzeln meine Freunde zu sehen. Meistens komme ich so ca. um 4 Uhr dort an, nachdem ich mein Schulzeug gemacht habe. Es tut mir sehr gut nach draußen zu kommen, mich zu bewegen und meine Freunde zu sehen, die genau die selben Ziele verfolgen.

Ob Ende Februar oder Anfang März, seit das Wetter besser geworden ist, ist im Donaupark tagsüber immer die Hölle los: Kleine Kinder, die ebenfalls am Skateplatz mit ihren Skootern fahren, Großfamilien, die am Spielplatz sind, oder einfach Erwachsene, die nur Spazieren gehen. Im Donaupark wimmelt es so richtig an Leuten. Regelmäßig fährt das Ordnungsamt oder die Polizei, in dieser Gegend, zu dieser Zeit, ihre Streife. Man sieht, wie sie in ihren Wägen herumfahren, aber sie steigen nie aus , um Leute wegen den Kontaktbeschränkungen, die im Moment herrschen, zu bestrafen oder gar nur zu ermahnen.

Wenn es aber dunkel wird, die Familien nach Hause gehen und der Donaupark sich leert, werden die Kontrollen auf einmal ernster. Kein Wunder, es treiben ja die Teenager und Jugendliche ihr „Unwesen“ !

Nein, Spaß beiseite, meine Freunde und ich bleiben länger und unterhalten uns, machen aber im Prinzip nichts anders als 3 Stunden davor, als noch viel mehr Leute sich dort aufgehalten haben. Wir trinken Alkohol. Das ist in meinen Augen auch ok, weil wir sind alt genug dafür. Für mich ist der Kontakt mit meinen Freunden sehr wichtig, es macht mich glücklich.

Plötzlich hört man jemand rufen: „POLIZEI!“. Alle rennen los. Mittlerweile wissen wir ganz genau, dass wir uns nicht fangen lassen dürfen. Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass wir nicht gerannt sind und Strafe zahlen mussten.

Uns wird nämlich jedes mal vorgeworfen, illegale „Coronapartys“ zu veranstalten und das heißt dann automatisch, 150 Euro für den Verstoß gegen Kontaktbeschränkungen und 150 Euro für den Verstoß gegen das Partyverbot. Dabei sind wir ca. genauso viele Personen an einem Ort, wie 3 Stunden davor, Leute am Spielplatz waren, der sich genau um die Ecke befindet.

Naja, auf jeden Fall renn ich los. Und während ich renne und mir vor Angst und Adrenalin in die Hose mache, höre ich eine Durchsage eines Polizeiautos: „Rennt nur, rennt nur, der letzte verliert“. Ich komme mir vor wie in einem Film, oder wie ein Schwerverbrecher. Betrachten die Polizisten das alles als ein Spiel ? Macht es den Polizisten Spaß, uns Angst zu machen und uns zu jagen?

Ein Freund erzählte mir, dass ein Polizeiauto ( oder Ordnungsamt-Auto ?) ihn bei einer Verfolgung angefahren hat . Es ist ihm nichts weiter passiert, aber es geht ums Prinzip.

Ich möchte mich nicht rechtfertigen. Treffe ich mich illegal mit zu vielen Leuten, oder ist das gegen das Grundgesetz, was da gegen uns passiert ? Ich möchte mit diesem Text nur klarstellen, dass meine Freunde und ich uns ungerecht behandelt fühlen. Insbesondere, weil tagsüber bei „normalen“ Leuten nicht eingegriffen wird.“

Gestern gesehen: Das Ordnungsamt „bewacht“ den Skateplatz im Donaupark

Anmerkung:

Das sind wirklich schlimme Vorwürfe. Mich würde interessieren, was Polizei und Ordnungsamt dazu sagen ?

Jeder nicht völlig Hysterische sollte sich kundig machen, dass das Risiko einer Übertragung des Corona-Virus im Freien über 10 bis 19 mal geringer ist als in geschlossenen Räumen, siehe diese Metastudie. Auf Deutsch: Das Risiko geht gegen NULL !

Und: Angeblich geht es ja um den Schutz der Volksgesundheit. Nirgendwo kann mehr für Gesundheit und ein starkes Immunsystem getan werden, als an der freien Luft .

Grundsätzlich: Hier werden Jugendliche verfolgt, die etwas für ihre körperliche und geistige Gesundheit tun.

Werden hier junge Menschen im Namen von Gesundheit traumatisiert ?

19.3.21

Autor: Otmar Spirk