Berlin 28./29.8. : Zwei Tage für unsere Grundrechte, so wunderschön… Augenzeugenberichte.

Teilnehmer der Grundrechte-Demonstrationen am letzten Wochenende berichteten mir begeistert über riesige spontane Demo-Züge durch Berlin .

In der Mittelbayerischen Zeitung war über den großen Protest nur unter ferner liefen in ihrem Bayern-Teil (!) am Schluss des Artikel „Die neuen Corona-Regeln in Bayern“ zu lesen…

Berlin, einer der spontanen Demozüge am 28.8.21

Nach den großen Grundrechte-Demonstrationen in Berlin am 1. August hatte die Mittelbayerische Zeitung zweimal , aber nur einseitig – aus Sicht der Polizei – berichtet . Ich berichtete alternativ hier und hier mit Videos vor allem über die Gewalttätigkeit vieler Polizisten, die dabei sogar einen eigenen Beamten mit dem Mannschaftswagen überrollten und schwer verletzten.

Damit lag die MZ leider ganz im Trend der Mainstream-Presse: Die Proteste wurden und werden entweder schlecht gemacht oder eher totgeschwiegen.

Hier nun zwei Augenzeugenberichte regionaler Teilnehmer , die bereits am 1.8 und jetzt erneut in Berlin dabei waren.

Bis auf die Kundgebung der Partei dieBasis waren alle angemeldeten Grundrechte-Demonstrationen verboten worden. Die übliche Begründung war: Die Hygiene-Regelungen würden nicht eingehalten werden. Das ist altbekannt vorgeschoben, da längst wissenschaftlich geklärt ist, dass auf Demonstrationen im Freien das Ansteckungsrisiko gegen Null geht, siehe ausführlich hier.

So kam es – nach den Augenzeugenberichten, und was ich in den livestreams gesehen habe – zu vielen kleinen bis großen spontanen Demonstrationszügen mit x-tausenden Menschen, die meist unbehelligt von der Polizei an zwei Tagen durch Berlin zogen. An Fahnen sah ich am meisten Deutschland-Fahnen und die roten Fahnen der neuen Sammlungsbewegung Freie Linke.

Diesmal kam es zu erfreulich wenigen Gewalt-Exzessen der Polizei, da die Proteste praktisch unter der Beobachtung des UN-Folterberichterstatters Nils Melzer standen.

Hier ein Video aus reitschuster.de über die Polizeigewalt in Berlin am 28./29.9., für die Augenzeugen gesucht werden.

1.Augenzeugenbericht:

Ich war am Samstag mit den Studentenstehenauf ! unterwegs und bin zu einem mittelgroßen Zug gestoßen und durch die Straßen gezogen. 3-4 mal wurde laut gejubelt, geklatscht, gepfiffen , als sich von einer Seitenstraße weitere große Züge angeschlossen haben.

Samstag ging es so 1-2 Stunden ohne Polizeikontakt bzw. hat sich ein Polizeisprecher mit uns mehr oder weniger solidarisiert mit den Worten: „Ich bin dafür, dass ihr euer Demonstrationsrecht in Anspruch nehmt und möchte, dass niemand verletzt wird . Also lauft mir hinterher und ich fahre voraus und sperre die Straßen für euch !“

Einige seiner Kollegen begleiteten uns auch auf dem Bürgersteig – ohne Helme, bis wir zu einer Absperrung durch die Polizei gekommen sind, wo anscheinend ein Polizist mit höherem Rang das Sagen hatte. Der wollte uns eher nicht so gewähren lassen, also ist der große Zug einfach weiter marschiert ohne „Polizeischutz“, bis wir auf eine Brücke Richtung Regierungsviertel angelangt waren. Dort wurde eine Polizei-Sperre errichtet, einige Demonstranten kamen durch, die Verbliebenen haben versucht durchzubrechen und wurden dann mit Tränengas attackiert. Ich habe dann geholfen, ihnen die Augen mit meinem Wasser vom Pfefferspray zu reinigen.

Dort hat sich der Zug dann zerstreut, und viele sind zum Potsdamer Platz auf eine Kundgebung von dieBasis gegangen. Dort wurde der Redner und Ex-Polizist Karl Hilz nach dem Ende der Kundgebung, nachdem er eine spontane Kundgebung machen wollte, vor meinen Augen von etwa zehn Polizisten auf ziemlich brutale Weise von der Bühne gezerrt und weggeschleppt.
Sonntag lief es ähnlich mit den spontanen Demonstrations-Zügen , denen sich immer mehr Leute angeschlossen haben. Unser Riesen-Zug konnte ca. 4 Stunden ungestört umherziehen , bis eine Truppe Polizisten eintraf, die von vorneherein völlig aggressiv auftraten und den Knüppel schon in die Luft hielten. Nach dieser Polizei-Sperre löste sich der Zug teilweise auf, und durch den Wetterumbruch zum Regen war auch auf den Kundgebungen am Alexanderplatz und Potsdamer Platz eher wenig los.
In der Gesamtbewertung waren es meines Erachtens noch mehr Menschen als am 1.8. gigantisch große Züge, weniger Polizei, auch weniger Gewalt.

2.Augenzeugenbericht

Viele Familien, deren Mitglieder verteilt in ganz Deutschland wohnhaft sind, treffen sich seit Monaten in Berlin, um gemeinsam gegen die Maßnahmen und für die Wiederherstellung der Grundrechte friedlich zu demonstrieren. Mit Sprechchören Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung ! und Musik sind wir durch die Straßen gezogen.

Viel Zuspruch aus den Wohnungen und von den Passanten in Berlin. Negative Reaktionen waren an einer Hand abzulesen. Die vielen Züge von Menschen, die sich auch spontan gebildet haben, weil sich die Menschen an den Seiten der Straße mitunter mit anschlossen, fanden sich an Straßenkreuzungen mit lautem Jubel und Freudengesang „So ein Tag, so wunderschön wie heute…!“ zusammen .

Die Polizei hat begleitet, wurde aber in meiner Gegenwart nicht wirklich gewalttätig. Sie versuchte zwar den Strom von Menschen zu lenken, was ihr allerdings nur teilweise gelang. Durch Taktik, Geschick und Glück fand sich oft eine „Gasse“, in die wir ausweichen konnten. Alles in allem waren Samstag und Sonntag zwei erfolgreiche Tage, an dem sich viele neue Menschen zusammen gefunden haben.

2.9.2021

Autor: Redaktion leben und leben lassen