„Covid 19 and the great reset“ von Schwab/Thierry . Eine kritische Buchbesprechung

Das im Juli 2020 erschienene Buch Covid 19 and the great reset von Thierry Malleret und Martin Schwab, dem Chef des Davoser Weltwirtschaftsforum WEF sorgte für großes Aufsehen. Wie soll der „große Umbruch“ aus Sicht mächtiger Kreise aussehen ?

Das Buch wird im folgenden von Simon Logoff besprochen :

Covid-19: Der Große Umbruch – eine kommentierte Zusammenfassung

In seinem Buch „Covid-19: Der Große Umbruch“ bezeichnet Schwab die Corona-„Pandemie“ als „eine der am wenigsten tödlichen Pandemien, die die Welt in den letzten 2000 Jahren erlebt hat“ , und geht davon aus, dass „die Folgen von Covid-19 in Bezug auf Gesundheit und Mortalität im Vergleich zu früheren Pandemien relativ gering sein“ werden. Die „Pandemie“ stelle „weder eine existenzielle Bedrohung noch einen Schock dar, der die Weltbevölkerung für Jahrzehnte prägen wird“.
Daher ist es nicht verständlich, wieso Schwab an einer anderen Stelle des Buches davon
spricht, dass sich die Dinge niemals normalisieren werden und dass nichts jemals so
sein wird, wie zuvor:
„Viele von uns fragen sich, wann sich die Dinge wieder normalisieren werden. Die kurze Antwort lautet: niemals. Nichts wird jemals wieder so sein wie zuvor. Die Normalität in dem Sinne, wie wir sie kannten, ist zu Bruch gegangen und die Coronavirus-Pandemie stellt einen grundlegenden Wendepunkt auf unserem globalen Kurs dar … Die Welt, wie wir sie in den ersten Monaten des Jahres 2020 kannten, gibt es nicht mehr, sie hat sich im Kontext der Pandemie aufgelöst. Es kommen derart radikale Veränderungen auf uns zu, dass manche Experten bereits von der Zeit „vor Corona“ (BC) und „nach Corona“ (AC) sprechen. Diese Veränderungen werden uns wie bisher plötzlich und unerwartet überraschen und im Zuge ihrer Verkettung Auswirkungen zweiter, dritter, vierter und weiterer Ordnung, Dominoeffekte und unvorhergesehene Folgen hervorrufen. Auf diese Weise wird eine „neue Normalität“ entstehen, die sich radikal von jener unterscheidet, die wir nach und nach hinter uns lassen werden. Viele unserer Überzeugungen und Annahmen, wie die Welt aussehen könnte oder sollte, werden sich dabei zerschlagen.“
Da es Viren seit mindestens 300 Millionen Jahren gäbe, ist Schwab der Ansicht, „dass
Pandemien höchstwahrscheinlich seit jeher existieren und ein fester Bestandteil der Geschichte der Menschheit sind, seit der Mensch zu reisen begann“ und dass sie in den
letzten 2000 Jahren … eher die Regel als die Ausnahme“ waren.
Schwab stellt die Frage:
„Wird es uns gelingen, unser globales Heim in Ordnung zu bringen? Oder einfacher ausgedrückt: Werden wir den großen Umbruch in Gang setzen? Ein Neustart ist eine ehrgeizige Aufgabe, vielleicht zu ehrgeizig, aber wir haben keine andere Wahl, als unser
Bestes zu geben, um diese Aufgabe zu bewältigen.“
An dieser Stelle stellt sich doch einem die berechtigte Gegenfrage, wieso bei einer verhältnismäßig schwachen Covid-19-Pandemie die Rückkehr zur Normalität nicht möglich sein sollte und wir „keine andere Wahl“ hätten, obwohl die Menschheit nach viel stärkeren Weltkrisen in Form von Pandemien, Wirtschaftskrisen und Weltkriegen, im Verlauf der Geschichte es immer wieder geschafft hat, zur Normalität zurückzukehren?
Dazu kommt, dass die „alte“ Normalität gar nicht so schlimm gewesen sein soll, wie es
Schwab selbst zugibt, ganz im Gegenteil:
„Es stimmt natürlich, dass der Zustand der Welt heute im Durchschnitt deutlich besser ist als in der Vergangenheit. Wir müssen anerkennen, dass es uns als Menschen noch nie so gut ging. Fast alle Kennzahlen, die die „kollektive Wohlfahrt“ messen (wie die Zahl der Menschen, die in Armut leben oder in Kriegen sterben, das Pro-Kopf-BIP, die Lebenserwartung oder die Alphabetisierungsrate und sogar die Zahl der durch Pandemien verursachten Todesfälle) haben sich in den vergangenen Jahrhunderten kontinuierlich verbessert, und in den letzten Jahrzehnten sogar ganz beeindruckend. Daher ist die Überzeugung, dass die heutige Welt besser ist als je zuvor, zwar richtig, kann jedoch nicht als Entschuldigung dafür herangezogen werden, sich bequem im Status quo auszuruhen und die vielen weiterhin bestehenden Missstände in der Welt nicht zu beheben.“
In seinen Ausführungen in Bezug auf das „politische Trilemma“ zwischen Globalisierung, Demokratie und des Nationalstaates kommt Schwab zu dem Ergebnis, dass jeweils nur zwei dieser Komponenten miteinander vereinbar wären:
„Das Trilemma legt nahe, dass die drei Begriffe der wirtschaftlichen Globalisierung, der
politischen Demokratie und des Nationalstaates miteinander unvereinbar sind, basierend auf der Logik, dass nur jeweils zwei davon gleichzeitig effektiv koexistieren können. Demokratie und nationale Souveränität sind nur vereinbar, wenn die Globalisierung zurückgedrängt wird. Wenn dagegen der Nationalstaat und die Globalisierung florieren, dann ist die Demokratie unhaltbar. Wenn wiederum Demokratie und Globalisierung zunehmen, so ist kein Platz für den Nationalstaat. Man kann immer nur zwei aus drei wählen – dies ist der Kern des Trilemmas … Im gegenwärtigen Umfeld legt das „politische Trilemma“ nahe, dass die Globalisierung notwendigerweise eingeschränkt werden muss, wenn wir nicht einen Teil der nationalen Souveränität oder der Demokratie aufgeben möchten. Der Aufstieg des Nationalismus macht daher den Rückzug der Globalisierung in den meisten Teilen der Welt unvermeidlich – ein insbesondere im Westen spürbarer Impuls. Die Entscheidung zugunsten des Brexits und die Wahl von Präsident Trump auf einer protektionistischen Plattform sind zwei bedeutsame Ausdrucksformen des Widerstands gegen die Globalisierung.“
Kernaussage dieser Ausführungen ist wohl: „Wenn wiederum Demokratie und Globalisierung zunehmen, so ist kein Platz für den Nationalstaat“. Ein Nationalstaat ist ein souveräner Staat, welcher unabhängig seine Politik und Wirtschaft gestalten kann.
Schwab sieht somit eine Gefahr in den souveränen Einzelstaaten, welche den Great
Reset und die Globale Ordnungspolitik zunichtemachen können:
„Die beiden Begriffe der globalen Ordnungspolitik und der internationalen Zusammenarbeit sind so miteinander verflochten, dass globale Ordnungspolitik in einer gespaltenen Welt, die sich zurückzieht und aufsplittert, nahezu unmöglich ist. Je stärker die Weltpolitik von Nationalismus und Isolationismus durchdrungen wird, desto höher stehen die Chancen, dass globale Ordnungspolitik ihre Bedeutung verliert und unwirksam wird. Leider sind wir nun an diesem kritischen Punkt angekommen.“
Interessanterweise ist Schwab ebenfalls der Ansicht, dass „die Ablehnung der Globalisierung durch die Wähler eine rationale Reaktion ist, wenn die Wirtschaft stark und die Ungleichheit hoch“ ist.
Da laut Schwab für wirtschaftsstarke Länder die Ablehnung der Globalisierung eine
vernünftige Lösung ist, kommt ihm wohl die durch Covid-19 verursachte Wirtschaftskrise gerade recht.
Schwab macht sich ebenfalls, wie Bill Gates, Ted Turner und andere Superreiche, Sorgen bezüglich angeblicher Gefahren des Klimawandels, welche Schwab als schwerwiegender einstuft als die Corona-„Pandemie“, und versucht, beim Leser Ängste zu schüren:
„Eines Tages wird es (die „Pandemie“, Anm. d. Verf.) vorüber sein. Hingegen wird uns
die Bedrohung durch den Klimawandel und die damit verbundenen extremen Wetterereignisse in absehbarer Zukunft und darüber hinaus begleiten. Denn das Klimarisiko entwickelt sich langsamer als die Pandemie, aber es wird weitaus schwerwiegendere Folgen haben. Das Ausmaß wird zu einem großen Teil von der politischen Reaktion auf die Pandemie abhängen. Jede Maßnahme zur Wirtschaftsbelebung wird unmittelbare Auswirkungen auf unsere Lebensweise haben, aber auch auf die CO2-Emissionen, die sich ihrerseits wiederum weltweit und über Generationen hinweg auf die Umwelt auswirken werden … Es bleibt zu hoffen, dass einige dieser Lehren, die uns ein besseres Verständnis dafür vermitteln, was ein existenzielles Risiko wirklich bedeutet und zur Folge hat, nun auf die Klimarisiken übertragen werden. Nicholas Stern, Leiter des Grantham Forschungsinstituts für Klimawandel und Umwelt, drückt es folgendermaßen aus:
„Was wir aus all dem gelernt haben, ist, dass wir in der Lage sind, Dinge zu ändern …
Wir müssen erkennen, dass es weitere Pandemien geben wird, und wir müssen dann
besser vorbereitet sein. [Aber] wir müssen auch erkennen, dass der Klimawandel eine
viel tiefgreifendere und größere Bedrohung darstellt, die nicht verschwindet und genauso dringend ist. Nachdem wir uns monatelang über die Pandemie und ihre Auswirkungen auf unsere Lungen Sorgen gemacht haben, werden wir von sauberer Luft besessen sein; während der Lockdowns haben viele von uns die Vorteile einer verringerten Luftverschmutzung selbst gesehen und gerochen, was möglicherweise zu der kollektiven Erkenntnis geführt hat, dass wir nur noch wenige Jahre haben, um die vier schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung und des Klimawandels anzugehen. Wenn dem tatsächlich so ist, werden gesellschaftliche (kollektive und individuelle) Veränderungen folgen.“
Im Hinblick auf die Bekämpfung von Covid-19 hält Schwab die Lockdowns für wirksam, um „die Reproduktionsrate des Coronavirus zu reduzieren“ und ist ein Befürworter von Contact Tracing, der Ermittlung von Kontaktpersonen, welche sich seiner Meinung nach als „eine Schlüsselkomponente einer erfolgreichen Strategie gegen Covid-19 erwiesen“ hat.
Hinsichtlich der Folgen der „Pandemie“ sagt Schwab eine zunehmende Technisierung
des Arbeitsmarktes voraus und den damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen:
„Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die durch die Pandemie ausgelöste Rezession einen
starken Anstieg der Arbeitssubstitution auslösen, d. h. körperliche Arbeit wird durch
Roboter und „intelligente“ Maschinen ersetzt, was wiederum dauerhafte und strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hervorrufen wird … Diese auf Notwendigkeit (wie z. B. Hygienemaßnahmen) beruhenden Innovationen werden bald Hunderttausende und möglicherweise Millionen von Arbeitsplätzen kosten.“

Simon Logoff
Autor, unabhängiger investigativer Journalist und politischer Analyst………………………………………………….
Buch: COVID 1984: Corona, The Great Reset und die Neue Weltordnung:
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E-Mail: simon.logoff@yahoo.com