Was die Mittelbayerische totschweigt: Laut Studie waren Intensivbetten- und Intensivpfleger – Mangel erfunden. Covid 19 ein Riesengeschäft für Krankenhäuser ?

Auch in der Mittelbayerischen Zeitung wurden unter entsprechenden Schlagzeilen immer wieder Angst und Schrecken verbreitet:

Die Lockdowns seien nötig, sonst würden wir bald nicht mehr genug Intensivbetten für Covid 19-Erkrankte haben ! Und auch an Intensiv-Pflegern mangele es ! Sogar über „Triage“ – Aussonderung zum Sterben wurde gemunkelt (mal wieder) !!! Als Zeugen für eine drohende Überlastung der Krankenhäuser wurden mehrere führende Regensburger Krankenhausärzte aufgefahren .

Alles unwahr ! sagt die Studie einer Wissenschaftler-Gruppe zum angeblichen Intensivbetten- und Intensiv-Pfleger-Mangel

Das ist alles unwahr ! Es gab deutschlandweit weder einen Intensivbett- noch einen Intensivpfleger-Mangel. Das sagt die Studie „Zur intensivmedizinischen Versorgung in der SARS-2/CoViD-19-Epidemie“ vom 16.5.2021 .

Die prominente Autorengruppe:
Prof. Dr. med. Matthias Schrappe, Universität Köln, ehem. Stellv. Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit
Hedwig François-Kettner, Pflegemanagerin und Beraterin, ehem. Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit, Berlin
Dr. med. Matthias Gruhl, Arzt für Öffentliches Gesundheitswesen und für Allgemeinmedizin, Staatsrat a.D., Bremen
Prof. Dr. jur. Dieter Hart, Institut für Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht, Universität Bremen
Franz Knieps, Jurist und Vorstand eines Krankenkassenverbands, Berlin
Dr. med. Andrea Knipp-Selke, Ärztin und Wissenschaftsjournalistin
Prof. Dr. rer. pol. Philip Manow, Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Prof. Dr. phil. Holger Pfaff, Universität Köln, Zentrum für Versorgungsforschung, ehem. Vorsitzender des Expertenbeirats des Innovationsfonds
Prof. Dr. med. Klaus Püschel, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin
Prof. Dr. rer.nat. Gerd Glaeske, Universität Bremen, SOCIUM Public Health, ehem. Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheit

Die Studie kommt beim angeblichen Intensivbetten-Mangel zum Ergebnis:

„Zusammenfassung: Die Zahl der Intensivbetten nimmt seit Sommer letzten Jahres ab,
obwohl angesichts der „Triage“-Diskussion Anstrengungen zur Ausweitung der
Intensivbetten-Kapazität zu erwarten gewesen wären.

Diese Abnahme entspricht genau der Abnahme an freien Betten, so dass der Abfall der freien Betten eher als Folge einer Abnahme der Gesamtkapazität denn als eine Folge einer vermehrten Inanspruchnahme durch CoViD-19-Patienten zu interpretieren ist.

Es hat eine rückwirkende „Korrektur“ der Intensivkapazitäten stattgefunden, die nicht mit der veränderten Zählweise zusammenhängt.

Die Zahl der belegten Intensivbetten hat sich nicht verändert.“

Die Studie kommt beim angeblichen Intensivpfleger-Mangel zum Ergebnis:

Zusammenfassung: Die objektive Datenlage bezüglich der zur Verfügung stehenden
Anzahl von Pflegekräften ist nicht belastbar. Es fehlen Institutionen, die zu diesem Thema unabhängige Informationen generieren. Eine Abnahme der aktiv tätigen Pflegekräfte lässt sich statistisch nicht nachweisen. Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit sprechen sogar für eine deutliche Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich
, allerdings entspricht nach Insiderinformationen die fachliche Qualifikation nicht in jedem Fall den Anforderungen.“

Warum fanden in Deutschland im Schnitt 2 1/2 mal so viele Covid 19-Behandlungen auf Intensivstationen statt wie in Europa ?

Weiter ist spannendes in der Studie zu lesen:

„Im europäischen Vergleich fällt weiterhin auf, dass in Deutschland der Anteil der
intensivpflichtigen Corona-Patienten an allen hospitalisierten Corona-Patienten insgesamt deutlich höher ist als in anderen europäischen Ländern (Quotient
Intensivpflichtigkeit / Hospitalisierung). In Deutschland wurden am 27.4.2021 61% der
hospitalisierten CoViD-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt, während dies nur für 25 % der Patienten in der Schweiz oder 11% der Patienten in Italien zutraf (s. Tab. 3).
Offensichtlich stellt man in Deutschland die Indikation zur Intensivbehandlung von CoViD19-Patienten deutlich schneller als in anderen Ländern. Die alternative Begründung, dass die CoViD-19-infizierten Bundesbürger deutlich schwerer erkranken als die übrigen Bewohner Europas, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Im Zeitverlauf scheint diese Situation sogar noch zuzunehmen…“

Wurde darum die Zahl der Covid 19-Intensivbehandlungen in die Höhe getrieben: Riesige Zusatzzahlungen vom Staat !

Die Studie nennt als Gründe, warum so viele Covid 19-Erkrankte auf die Intensivstationen verlegt wurden, dass

„· Krankenhäuser zusätzlich einen Bonus in Höhe von 50.000 Euro für jedes zusätzlich geschaffene Intensivbett erhalten,
· Krankenhäuser für Mehrkosten, insbesondere bei persönlichen Schutzausrüstungen, vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 einen Zuschlag je Patient in Höhe von 50 Euro erhalten, der bei Bedarf verlängert und erhöht werden kann, und dass der so genannte „vorläufige Pflegeentgeltwert“ auf 185 Euro erhöht wird . Zusätzlich wurde in der Corona-Ausgleichsvereinbarung zwischen GKV, PKV und der Deutschen Krankenhausgesellschaft den Kliniken für Erlösrückgänge aufgrund des Fallzahlrückgangs im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 eine Ausgleichszahlung
für einen im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019 entstandenen Erlösrückgang von
85 % garantiert.“

Eine weitere Auswertung der Schrappe-Studie einschließlich des l i n k s zur Studie selbst findet der Leser im reitschuster-Artikel „Politische Bombe: Schummeleien mit den Zahlen aus den Intensivstationen?

Übrigens: Manchmal findet sich auch in offiziellen staatlichen Publikationen noch Wahrheit:

Konkret gibt es sogar eine aktuelle Pressemitteilung des Beirats des Bundesgesundheitsministeriums unter der Überschrift ;

„Gute Patientenversorgung auch in der Corona-Pandemie stets gewährleistet, Instrument der Freihaltepauschale zur Sicherung der Krankenhäuser wirksam.“

In der Pressemitteilung heißt es weiter:

„Die ausschließlich stationären Erlöse der allgemeinen Krankenhäuser sind durchschnittlich um 3,7 Prozent und die der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken durchschnittlich um 10,6 Prozent gestiegen, wobei die geleisteten Ausgleichszahlungen des Bundes hierfür maßgebend gewesen sind. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass trotz des Rückgangs an Fallzahlen die Zahlungen der gesetzlichen Krankenkassen für alle durch die Kliniken erbrachten Leistungen um 1,7 Prozent gestiegen sind.“

Über die Schrappe-Studie wurde bislang ausschließlich auf DIE WELT-online unter der Überschrift „Intensivstationen-Es-geschehen seltsame, unverständliche Dinge“ berichtet.

Und was lese ich dazu in der Mittelbayerischen Zeitung ? Bisher nichts !

Auch Tage nach Veröffentlichung der Studie finde ich in der MZ kein Wort über die Studie. Die MZ schweigt die Widerlegung ihrer Berichterstattung einfach tot ! Der Pressekodex mit seiner Verpflichtung zur wahrhaftigen Berichterstattung – war da nicht mal was ? Menschen monatelang in Angst und Schrecken versetzen , und dann kommt NICHTS, keine Klarstellung, keine Entschuldigung . Wo bleibt da der ANSTAND , Mittelbayerische ?

18.5.21

Autor: Otmar Spirk